Erfahrungsbericht
von Marie

Als ich 15 Jahre alt war, war meine Welt von dem einen auf den anderen Tag auf den Kopf gestellt und ich musste umziehen, weil ich Probleme zuhause hatte, die man nicht so einfach klären konnte. Mir wurde vorgeschlagen, in ein Verselbstständigungswohnen in einer Wohngruppe zu ziehen und dort mein Leben weiterzuleben. Ich war gerade voll in der Pubertät und hatte riesige Angst und Respekt davor. In meinem Kopf hatte ich ein typisches Heim, wo es Kindern in der Regel nicht gut geht. Von vielen Filmen kennt man ja auch nichts anderes. Ich habe es dennoch als Chance gesehen und wirklich eine andere Wahl hatte ich ja auch nicht. Ich habe also meine Sachen gepackt und los ging der Umzug aus meinem Kinderzimmer in ein WG-Zimmer in einer Wohnung mit zwei anderen Mitbewohnerinnen.
Die erste Nacht war ziemlich seltsam. Auf einmal in einem Haus mit Kindern und Jugendlichen zu leben und da die „Neue“ zu sein, hat mich anfangs sehr verunsichert. Aber bereits nach einer Woche hatte ich mich super eingelebt und habe mich mit allen mega gut verstanden. Vor allem haben mir in der Anfangsphase die Betreuer:innen geholfen, richtig anzukommen. Mit ihrer offenen und freundlichen Art hat es sich angefühlt, gewollt zu sein und dass man es schön findet, dass ich da bin. Dadurch konnte ich mich auch schnell öffnen und hatte einen neuen Ankerpunkt in meinem Leben gewonnen. Ich konnte, egal mit welchem Problem, auf die Betreuer:innen zugehen und habe (fast) immer einen guten Ratschlag bekommen. Außerdem habe ich gelernt, noch selbstständiger zu werden, denn Wäsche waschen, mit eigenem Geld haushalten und selbst einkaufen gehen gehörten natürlich auch dazu. Montags hatten wir immer einen gemeinsamen Abend, wo wir mit einem der Betreuer gekocht, Spiele gespielt, einen Filmabend gemacht oder etwas ganz anderes unternommen haben. Bei uns gab es auch immer einen gemeinsamen Putztag, an dem die Wohnung sauber gemacht wurde.
Mit der gesamten WG haben wir ab und an Ausflüge gemacht, zum Beispiel eine Motorradausfahrt. Wir waren im Europa-Park, im Freizeitpark Plohn, bei Theaterbesuchen und der Weihnachtszirkus war auch ein jährliches Programm. Eine Weihnachtsfeier gab es ebenfalls jedes Jahr, bei der jedes Kind reich beschenkt wurde. Wir durften immer Wünsche äußern, die netterweise von vielen Sponsoren übernommen wurden. Jeder Geburtstag wurde gefeiert. Man durfte sich immer einen Kuchen wünschen und die Wohnung wurde extra geschmückt als Überraschung. Ich habe gemerkt, wie ich mit der Zeit in der Wohngruppe ankommen konnte, weil mir viel Last abgenommen wurde. Ich habe gelernt, dass ich tatsächlich auch mal Teenager sein darf und nicht schon erwachsen sein muss.
Meine Bezugsbetreuerin hat mir die tollsten Bezugsbetreuertage beschert. Jeden Monat haben wir einen Abend gehabt, an dem wir gemeinsam essen waren oder andere Aktivitäten zusammen überlegt haben. Das habe ich mit einem Lächeln gern in Erinnerung.

Nach 1,5 Jahren war es dann so weit und ich war bereit für meine eigene Wohnung. Eine Wohnung mit 17 zu finden, war gar nicht mal so einfach, aber auch da habe ich wieder tatkräftige Unterstützung gehabt. Genauso wie beim Umzug – dabei haben alle mit angepackt. Meine Abschlussparty war wirklich emotional. Alle waren da und wir hatten einen tollen letzten gemeinsamen Abend. Abschließend kann ich sagen: Allein ist man in dieser Wohngruppe nicht! Jeder bekommt ein offenes Ohr und Hilfe, wenn diese erforderlich ist. Die positiven Erfahrungen haben meine Jugend sehr geprägt und mich zu einer starken jungen Frau gemacht.